Zwischen Unsicherheiten und Praxisalltag
Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,
das endgültige Wahlergebnis der Landtagswahl Sachsen-Anhalts steht fest – die neue Landesregierung noch nicht. Wahlsieger ist die AfD. CDU, SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen ziehen wieder und das BSW neu ins Landesparlament ein. Wir hoffen, auch in Zukunft mit der Landespolitik gut zusammenzuarbeiten. Im Sinne unserer Mitglieder, im Sinne der Versorgung der Bürger Sachsen-Anhalts. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, wie ein gutes Miteinander funktionieren kann. Wir schauen besorgt auf das, was kommen könnte. Damit meinen wir nicht nur den Ärztemangel oder besser gesagt den Mangel an Arztzeit, der sich mit den Jahren immer mehr verschärft.
Wir meinen damit auch die wahlprogrammatischen Aussagen in Bezug zur Tätigkeit ausländischer Fachkräfte. In vielen Regionen des Landes wäre eine flächendeckende Versorgung ohne ausländische Kollegen und Mitarbeiter nicht mehr sicher zustellen. Wir haben uns – gemeinsam mit der Ärztekammer – in einer Pressemitteilung im Mai 2026 für ein Arbeitsumfeld ausgesprochen, das qualifizierte Fachkräfte, unabhängig von Herkunft oder Nationalität, willkommen heißt, ebenso in der gemeinsamen Erklärung der hiesigen Heilberufsvertretungen, -verbände und gesetzlichen Krankenkassen im August 2026. AfD-Ministerpräsidentenkandidat Ulrich Siegmund sagt, "wer legal in Deutschland lebt, hervorragend qualifiziert ist und Tag für Tag in unseren Krankenhäusern und Praxen wertvolle Arbeit leistet, hat hier eine Zukunft und absolut nichts zu befürchten“. Uns erreichen jedoch Anfragen von ausländischen Ärzten, die ob ihrer Zukunft in Sachsen-Anhalt verunsichert sind oder ihre Absicht, in Sachsen-Anhalt tätig zu werden, nun in Frage stellen.
Themenwechsel 1
Auf Bundesebene sind die Honorarverhandlungen 2027 abgeschlossen. Der Orientierungswert wird zum Jahresbeginn um 2,2 Prozent steigen [Mehr auf Seite 6 in der PRO]. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation, aber vor allem aufgrund des GKV-Spargesetzes hätte der Wert höher ausfallen müssen. Nun stehen die Verhandlungen auf Landeseben an. Wir hoffen, gemeinsam mit den hiesigen Krankenkassen, vernünftige Lösungen im Sinne der Versorgung zu finden.
Apropos Vergütung: Wir können nur den Kopf schütteln, wenn die Bundesregierung erst beschließt, erheblich an der Vergütung ambulanter Leistungen, insbesondere der Vergütung für schnellere Termine zu sparen – und Bundeskanzler Merz kurze Zeit später im Zuge einer Krankenversicherungs-Debatte ein “Gerechtigkeitsproblem” sieht und sich für schnellere Arzttermine für alle ausspricht. Wie passt es zusammen, erst Zuschläge für eine Vermittlung schnellerer Termine beim Facharzt zu streichen und im fast gleichen Atemzug schnellere Termine einzufordern? Das passt ganz und gar nicht. Wer schnellere Termine will, muss dafür die finanziellen Mittel bereitstellen.
Themenwechsel 2
Jetzt sind wir im Oktober. Mit dem Herbst beginnt die Grippesaison – und für die Praxen damit die Zeit der Grippe-Schutzimpfungen. Sicherlich haben Sie schon die ersten Impfungen gegeben, zahlreiche Termine für die nächsten Wochen sind gemacht. Das ist gut. Das Impfen ist eine originär ärztliche Leistung. Darüber sind wir uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, wohl einig. Wir kennen die Vorerkrankungen unserer Patienten, beraten, klären auf, impfen, können mögliche Komplikationen sicher einordnen und behandeln. Oder wie die neue Kampagne von KBV und KVen titelt: "Impfen beim Profi". Informieren Sie Ihre Patienten darüber gern in Ihren Praxen, indem Sie das der PRO beiliegende Plakat aushängen. [Mehr auf den Seiten 7/8 in der PRO].
Jörg Böhme, Nadine Waldburg, Mathias Tronnier