Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 9/2021

Ein klares Ja zum Impfen gegen Corona –
ein klares Nein zu unfertigen digitalen Lösungen

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Pandemie hält weiter an. Nach den Erst- und Zweitimpfungen, die Sie in Ihren Praxen, Impfzentren und mobilen Teams durchgeführt haben, sind Sie weiterhin gefragt. Die vielen unentschlossenen noch nicht geimpften Personen sollten wir nicht aus dem Fokus verlieren, uns aber auch den Auffrischungsimpfungen zuwenden. Die Gesundheitsministerkonferenz hat beschlossen, dass bestimmte Personengruppen eine sogenannte Booster-Impfung erhalten sollen. Die dritte Impfung soll den vorhandenen Schutz auffrischen und verstärken, gerade mit Blick auf den bevorstehenden Herbst, wenn die Infektionszahlen wieder ansteigen werden.

Laut Hochrechnung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung ergeben sich für Sachsen-Anhalt rechnerisch im Oktober etwa 81.000, im Dezember etwa 97.000 Drittimpfungen. Im November und Januar könnten jeweils bei um die 30.000 Personen die Drittimpfungen anstehen. Diese Berechnungen beruhen auf den statistischen Daten zu den bisherigen Impfungen gegen COVID-19 beim Einhalten eines zeitlichen Mindestabstands von sechs Monaten nach vollständiger Immunisierung. Aus den bisher vorliegenden Impfmeldungen an das Robert Koch-Institut kann abgeleitet werden, dass die Vertragsärzte in Sachsen-Anhalt dies leisten können, sind doch durch die 1300 beteiligten haus- und fachärztlichen Praxen im Juni weit über 300.000 Impfungen möglich gewesen.

Das Impfen ist eine ärztliche Leistung, die in erster Linie in Ihren Praxen, durch die ambulant tätigen Haus- und Fachärzte erfolgen soll. Aus ärztlicher Sicht muss auch der Sachverhalt berücksichtigt werden, dass derzeit (Stand 9. September 2021) noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für die Auffrischungsimpfung vorliegt, aber noch im September erwartet wird.

Kontaktieren Sie die Pflegeheime, in denen Sie Bewohner medizinisch betreuen, und machen Sie Termine für die Auffrischungsimpfung aus. Gibt es weitere Kollegen, die das Heim mit betreuen, sprechen Sie sich bitte ab, um die Impfstoff-Vials effektiv zu nutzen und möglichst viele Bewohner zu impfen. Fragen Sie auch nach Bewohnern, die keinen festen Hausarzt haben oder deren Hausarzt nicht impft. Wenn gewünscht, können Sie auch diese Impfung mit übernehmen.

Die Auffrischungsimpfungen fallen in die Zeit der Grippeschutzimpfungen. Ein zeitgleiches Impfen mit beiden Impfstoffen würde im Praxisalltag eine erhebliche Entlastung bringen, im besten Fall gibt es eine Kombinationsspritze. Die STIKO hat zu den Drittimpfungen wie ausgeführt noch keine Empfehlung ausgesprochen, ist jedoch für einen zeitlichen Abstand von mindestens zwei Wochen zwischen den Impfungen gegen Grippe und COVID-19 (Erst- bzw. Zweitimpfung). Die Sächsische Impfkommission (SIKO) hingegen sieht keine Probleme für ein paralleles Verimpfen beider Impfstoffe, wenn aus Sicht des Arztes für den individuellen Fall nichts dagegenspricht.

Das Impfen gegen Corona ist bei den meisten Vertragsärzten mittlerweile im Praxisalltag integriert. Davon kann hingegen keine Rede sein, wenn es um die digitalen Anwendungen geht. Aktuell ist es die elektronische  Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), die den Praxen zu schaffen macht. Sie sollte zum 1. Oktober eingeführt werden. Weil noch nicht alles ausgereift ist, gilt nun eine dreimonatige Übergangsregelung. Ich habe meine Zweifel, dass selbst der Januar 2022 zu halten ist.

Digitale Anwendungen können nur dann verpflichtend eingeführt werden, wenn diese einwandfrei funktionieren. Prüfende Feldtest sind viel zu spät angelaufen. Viele Praxen sind noch nicht mit den Grundvoraussetzungen ausgestattet. Die Technik funktioniert nicht reibungslos…

Auch die Mitglieder der Vertreterversammlung haben in ihrer jüngsten Sitzung darüber ausgiebig diskutiert und von ihren Erfahrungen berichtet. Für alle steht fest: Ein Prozess kann erst dann digitalisiert werden, wenn Pilotpraxen demonstriert haben, dass die Anwendung im Alltag stabil und störungsfrei funktioniert. Und wenn für die eAU die Zeit der Übergangsregelung nicht ausreicht, muss sie eben verlängert werden. Die Vertreterversammlung hat dazu eine Resolution verabschiedet.

Ihr
Jörg Böhme