Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 9/2018

Kompromiss in Honorarverhandlungen gefunden

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Honorarverhandlungen für das Jahr 2019 auf der Bundesebene sind weitestgehend abgeschlossen. Im Ergebnis hat der erweiterte Bewertungsausschuss beschlossen, den Preis der EBM Leistungen um knapp 1,6 Prozent zu erhöhen. Grundlage für diese Steigerung sind die gestiegenen Kosten in den Praxen. Wie immer wurde im Schiedsverfahren ein Kompromiss gefunden, die Kassen fanden das Ergebnis zu hoch und die KBV zu niedrig. Der Forderung der KBV nach einer zusätzlichen Erhöhung, wegen der Einführung der Datenschutzgrundverordnung und der gestiegenen Kosten im Bereich der Hygieneanforderungen, hat sich der erweiterte Bewertungsausschuss vom Grundsatz her angeschlossen. Das Institut des Bewertungsausschusses soll nun feststellen, ob und ggf. in welcher Höhe entsprechende Zusatzkosten entstanden sind und diese bis zum 31.03.2019 bewerten. Wenn hier entsprechende Steigerungen dargestellt werden, so sollen diese auch demzufolge zusätzlich vergütet werden.

Neben der Preiserhöhung wird vom Bewertungsausschuss wie in jedem Jahr berechnet, wie sich die Altersstruktur und die Morbidität der Bevölkerung in jedem Bundesland verändert haben. Da die Bevölkerungsentwicklung in den letzten Jahren relativ stabil blieb, obwohl die Sterberate die Geburtenrate immer noch überschreitet, wird diese Veränderung wahrscheinlich unter einem Prozent liegen. Damit wurden nun die Grundlagen für die Verhandlungen mit den Krankenkassen im Land über die regionale Vergütung in 2019, die im Herbst geführt werden, geschaffen.

Im neuen Gesetzentwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) werden zusätzlich einige Bereiche benannt, in denen die Praxis eine Vergütung außerhalb der Budgets erhalten soll. So z.B. für die Behandlung neuer Patienten und von Patienten in sogenannten offenen Sprechstunden sowie auf Vermittlung durch die Terminservicestelle der KV. Wie diese Vergütung konkret ausgestaltet werden soll, ist bisher noch unklar. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, konkretisierende Regelungen zu ergänzen. Sicher ist aus meiner Sicht nur, dass diese Veränderungen nichts mit den o.g. Veränderungen des Preises der Leistungen und der Finanzmittel innerhalb der Gesamtvergütung zu tun haben.

Im Gesetzentwurf des TSVG ist vorgesehen, dass die Servicenummer der KVen, die 116117 ab 01.04.2019 täglich und rund um die Uhr für Patienten erreichbar sein soll. Die Vertreterversammlung der KVSA hat sich am 29.08.2018 intensiv mit diesem Thema beschäftigt und den Aufbau einer entsprechenden Telefonzentrale grundsätzlich befürwortet. Hier sollen sowohl dringliche Termine im Rahmen der Terminservicestelle vermittelt werden, als auch der Bereitschaftsdienst mit dem Ziel koordiniert werden, dass weniger Kollegen in den Nachtstunden zum Dienst eingeteilt werden müssen. Die Zentrale wird also zukünftig zu einer wichtigen Steuerungsstelle im Rahmen der Patientenversorgung. Patientenprobleme die ambulant gelöst werden können, sollen dann auch zu Haus- und Fachärzten vermittelt werden. Das wird nur funktionieren, wenn zum einen die bisherige gute Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten nicht durch die geplanten Regelungen im TSVG erschwert wird, eine entsprechende Vergütung für die geforderte Mehrarbeit zur Verfügung steht und wir alle bereit sind, unsere Praxen so zu organisieren, dass wirklich akute Patientenprobleme auch zeitnah gelöst werden können.

Ihr
Burkhard John