Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 7/2018

Steuerung der Versorgung konsequent umsetzen

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Möglichkeiten der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen durch die Bevölkerung werden nicht nur in Deutschland immer wieder neu diskutiert. In allen entwickelten Ländern spielt dieses Thema eine bedeutsame Rolle, denn auf der einen Seite nehmen die Möglichkeiten der Medizin ständig zu und auf der anderen Seite sind die Möglichkeiten der Finanzierung in einem solidarisch organisierten Krankenversichertensystem immer begrenzt.
Für einen Menschen, der Beschwerden hat, wird es immer schwieriger den richtigen Ansprechpartner für sein Problem zu finden. Oft über Medien und Internet gut (oder manchmal auch fehl-) informiert nimmt er den Arzt oder die Einrichtung in Anspruch, die aus seiner Sicht gerade die geeignete ist. Hierdurch entstehen häufig Fehlversorgungen, die sich in einer Überlastung von Arztpraxen und Krankenhäusern zeigen. Aus diesem Grund ist eine Steuerung der Patientenversorgung auch in Deutschland dringend erforderlich, für die bereits verschiedene Wege getestet wurden. Die Praxisgebühr war eine solche Variante. Die Umsetzung war in der Praxis aber mit viel Aufwand verbunden und die Steuerungswirkung wurde durch verschiedene Befreiungstatbestände deutlich minimiert. Die Ärzteschaft selbst hat daher die Abschaffung der Gebühr gefordert. Derzeit scheint es politisch kaum umsetzbar zu sein, eine solche Gebühr, ggf. auch modifiziert, wieder einzuführen. Dennoch halte ich den Ansatz weiterhin für wichtig, wobei man den gleichen Effekt aus meiner Sicht auch mit unterschiedlichen Versichertentarifen erreichen kann.
Eine weitere Möglichkeit zur verbesserten Steuerung ist die hausarztzentrierte Versorgung. Diese findet in Sachsen-Anhalt mit allen Kassen flächendeckend statt und sehr viele Versicherte haben diese Versorgungsform auch gewählt, aber auch hier muss eine Patientensteuerung konsequenter umgesetzt werden. Die Ursachen sind vielfältig und beginnen bei dem fehlenden Anreiz für den Patienten, diese Steuerung zu nutzen – bis hin zur Akzeptanz der Haus- und Fachärzte, diese Steuerung auch zu leben. Die guten Ansätze müssen daher in den kommenden Jahren weiter optimiert werden.

Ein ganz besonderes Thema ist die Steuerung der Versorgung bei akuten Behandlungsanlässen sowohl während als auch außerhalb der normalen Sprechzeiten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Wir werden daher in den kommenden Monaten Modelle diskutieren müssen, um das Inanspruchnahmeverhalten der Patienten besser zu regulieren. Eine Rufzentrale für die 116 117 kann hierbei eine Schlüsselfunktion übernehmen. Dort könnte nicht einfach nur die Vermittlung eines Hausbesuches erfolgen, sondern auch eine Einordnung der Dringlichkeit sowie die Vermittlung in eine Vertragsarzt- oder Bereitschaftsdienstpraxis. Solche Bereitschaftsdienstpraxen könnten an bestimmten Standorten von Krankenhäusern im Sinne von Portalpraxen ausgebaut werden. Hier soll der Empfang der Patienten über einen gemeinsamen Tresen geschehen, an dem dann die Zuordnung zur Notfallambulanz des Krankenhauses oder zur Bereitschaftspraxis der Vertragsärzte erfolgt.
Ein entsprechendes Instrument zur sachgerechten Einordnung der Patientenbeschwerden durch besonders qualifiziertes medizinisches Personal wird derzeit vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) entwickelt und soll im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Solche Portalpraxen könnten ggf. nicht nur zu den sprechstundenfreien Zeiten zur Verfügung stehen, sondern auch zu bestimmten Tageszeiten. Hierzu muss aber geklärt werden, wie die zeitnahe Übernahme von Patienten aus der Portalpraxis in Vertragsarztpraxen erfolgt und wie diese finanziert wird.

Ihr
Burkhard John