Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 6/2018

Bedarfsgerechte Versorgung muss das Budgetsystem ablösen

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

derzeit beschäftigen uns in den Praxen besonders drei Themen:
a) die weiterhin unzureichende Finanzierung der ambulanten Versorgung,
b) die Ausstattung der Praxen für die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur und
c) die Umsetzung der Regelungen aus der europäischen Datenschutzgrundverordnung.
Zu Letzterem haben wir Sie in der PRO einigen Rundschreiben und Faxlettern umfangreich informiert. Nutzen Sie bitte auch die Hinweise und Vorlagen auf unserer Webseite. Hier sind die wesentlichen Notwendigkeiten zusammengefasst und für die praktische Anwendung mit Musterdokumenten gut aufbereitet.

Die ersten beiden Punkte haben die Vertreterversammlung am 30. Mai 2018 intensiv beschäftigt. Die von der Vertreterversammlung beschlossene Resolution können Sie hier nachlesen. Es ist und bleibt vollkommen inakzeptabel, dass ein Teil unserer erbrachten Leistungen nicht vergütet wird. Die Sicherstellung der ambulanten Versorgung gestaltet sich immer schwieriger. Zeiten, in denen es eine Ärzteschwemme gab und in denen die Budgets entstanden sind, gehören längst der Vergangenheit an. Insofern besteht auch gar kein Grund mehr für eine solche Budgetierung. In einer derart angespannten Situation, wie wir sie in Sachsen-Anhalt derzeit haben, zeigt sich, wie leistungsfeindlich solche Budgets sind. Die viel zitierten Terminprobleme und auch der sich entwickelnde Ärztemangel könnten bei einer ausreichenden Finanzierung einfacher gelöst werden. Insofern ist die Forderung unserer  Vertreterversammlung und des gesamten KV-Systems nur zu unterstützen, dass es nun an der Zeit ist, diese Budgets zu beenden und zumindest wichtige Basisleistungen aus dem budgetierten Teil der Gesamtvergütung herauszunehmen. Wenn es bisher nicht möglich war, eine der Morbidität entsprechende  budgetierte Gesamtvergütung zu erhalten, dann ist die Entbudgetierung eine logische Alternative.

Als weiteren Punkt hat die Vertreterversammlung die Finanzierung der Telematik-Infrastruktur (TI) diskutiert und Forderungen zur vollständigen Finanzierung aufgemacht. Kurz nach der Vertreterversammlung erreichte uns die Nachricht, dass die KBV mit den Krankenkassen auf Bundesebene eine Anpassung der Vereinbarung zur Kostenerstattung für die Anschaffung der TI-Komponenten in den Praxen erzielen konnte. Wir hoffen, dass die Industrie nunmehr vollständig lieferfähig ist und die ausgehandelten Pauschalen auch kostendeckend sind. Rückblickend ist das Agieren der Krankenkassen befremdlich, die lange Zeit keine Zusage einer ausreichenden Finanzierung der Erstausstattung der Praxen gegeben und somit den begonnenen Prozess der Implementierung der TI in unseren Praxen zeitlich gefährdet haben. Es ist keinem Arzt zuzumuten, dass er auf den Kosten für die TI-Ausstattung sitzen bleibt, obwohl der Gesetzgeber dieses explizit ausgeschlossen hat.

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Sommerzeit und einen erholsamen Urlaub.

Burkhard John
Holger Grüning
Mathias Tronnier