Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 5/2018

Teamarbeit gefragt

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

am 25. Mai 2018 wird die neue europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft treten. Diese ist auch für die Vertragsarztpraxen von Bedeutung, wobei viele Regelungen auch schon in den deutschen Datenschutzgesetzen verankert waren. Wir haben bereits dazu informiert und in den Hinweisen zur Umsetzung in der Praxis auf unserer Homepage viele Umsetzungshilfen aufgenommen. Die Rückmeldung von Kollegen, die sich mit unseren Angeboten auf unserer Homepage bereits beschäftigt haben, ist recht positiv, so dass ich Ihnen sehr empfehle diese Angebote auch zu nutzen, um die Arbeit und Umsetzung in der Praxis zu erleichtern.

Wie überall im Qualitätsmanagement der Praxis ist es auch in diesem Fall zweckmäßig, einmal die Dinge gut zu ordnen und zu organisieren und dann in entsprechenden Abständen die Umsetzung zu kontrollieren und ggf. zu korrigieren. Ebenso macht es wie so oft Sinn, diese Aufgaben an hierfür geschultes Personal zu delegieren. Denn die Delegation von Tätigkeiten in der Praxis bezieht sich bei Weitem nicht nur auf die medizinischen Belange, sondern durchaus auch in vielen Bereichen auf die Praxisorganisation. Hierdurch können wir Ärzte uns von Tätigkeiten entlasten, die nicht zu unseren Kernaufgaben zählen und, wenn wir ehrlich sind, von vielen auch nicht sonderlich geliebt werden. Das Arbeiten im Team, bestehend aus mehreren Ärzten und gut qualifiziertem Personal, wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Umfragen und auch persönliche Gesprächen mit Studierenden oder jungen Kollegen zeigen, dass viele von ihnen in solchen Strukturen arbeiten möchten. Wir sollten daher ein zunehmendes Augenmerk auf eine gute Qualifikation unserer Mitarbeiterinnen legen. Die Ausbildung als nichtärztliche Praxisassistentin oder als VERAH ist hierfür ein guter Weg. Wir bieten als KV auch weiterhin entsprechende Kurse an. Wichtig ist natürlich auch, dass wir diese qualifizierten Mitarbeiter auch entsprechend einsetzen, nicht nur beim Hausbesuch, sondern eben auch in vielen Bereichen der Praxis. Den aktuellen Gehaltstarifvertrag finden Sie auf der Homepage der Ärztekammer (www.aeksa.de/files/1466B5A5BA2/GTV_MFA_2017.pdf).

Die Umsetzungen des Qualitätsmanagements bis hin zur Unterstützung bei der QEP-Zertifizierung sind gut geeignete Bereiche auch außerhalb des Einsatzes bei der Behandlung von Patienten. Aber auch hier ist der Einsatz natürlich sehr vielfältig. In vielen Praxen kann man sich diese Unterstützung schon gar nicht mehr wegdenken, z. B. beim Diabetologen, Operateur oder auch beim Hausarzt. Bei letzterem spielt die Übernahme von Hausbesuchen eine wichtige Rolle. Auch bei der Betreuung von Pflegeheimen kann die Delegation von Leistungen sehr sinnvoll sein. Zukünftig werden hierbei telemedizinische Anwendungen sicherlich an Bedeutung gewinnen. Gerade im ländlichen Bereich könnten dem Patienten so Wege erspart und Probleme zeitnah gelöst werden. An dieser Stelle könnte Telemedizin eine sinnvolle Unterstützung geben, aber die teilweise vorhandene Erwartung von Politik und Kassen, dass hierdurch alle Versorgungsprobleme gelöst werden können, teile ich nicht. Unterstützung und Optimierung der medizinischen Versorgung – ja, aber Ersatz ärztlicher Leistung – nein. Gleiches gilt auch für die Fernbehandlung von Patienten. Bei einem Patienten, den der Arzt bereits kennt und dessen Beschwerden er auch aus der Ferne einschätzen und in das Gesamtbild einordnen kann, ist es sicher möglich, telemedizinisch oder auch telefonisch diesen zu beraten und ggf. auch zu behandeln. Aber bei Patienten, die dem Arzt vollkommen unbekannt sind, kann ein solches Vorgehen problematisch sein und sollte daher aus meiner Sicht auch nicht erlaubt werden. Der Deutsche Ärztetag in Erfurt wird sich intensiv mit dieser Problematik beschäftigen – ich hoffe auf sachgerechte Entscheidungen.

Ihr
Burkhard John