Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 1/2020

Neuer EBM mit absehbaren Auswirkungen

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

das neue Jahr hat begonnen und ich wünsche Ihnen Gesundheit, Kraft und Geduld bei den vielen Herausforderungen, die das neue Jahr wieder mit sich bringen wird.

Die Reform des EBM ist im Dezember 2019 vom Bewertungsausschuss beschlossen worden. Entsprechend eines Beschlusses des Bewertungsausschusses aus dem Jahr 2012 und eines gesetzlichen Auftrages musste diese Reform punktsummenneutral erfolgen, wobei die Gesprächsleistungen gefördert und zu deren verbesserter Finanzierung wirtschaftliche Reserven aus der Technikmedizin genutzt werden sollten. In vielen Diskussionen in den Gremien der KBV und intensiven Beratungen mit dem Spitzenverband der Krankenkassen wurden Lösungen für dieses schwierige Problem gefunden, die zu überschaubaren Veränderungen der Vergütung einzelner Fachgruppen geführt haben. Unter der Maßgabe, dass die abrechenbare Punktmenge über alle Arztgruppen unverändert bleiben musste, ist es zu erwarten, dass einige Fachgruppen Honorar verlieren und andere gewinnen müssen. Wenn die sprechende Medizin gefördert werden soll, dann ergibt sich daraus, dass die gesprächsintensiven Arztgruppen gewinnen und technikintensive Gruppen verlieren müssen. Genau diesen Effekt zeigen auch die Simulationsberechnungen zu den Auswirkungen der Reform. Mit dem Beschluss vom Dezember ist diese EBM Reform abgeschlossen. Perspektivisch wird es darum gehen, strukturelle und inhaltlich notwendige Veränderungen des EBM zu diskutieren und diese ggf. mit zusätzlichen Finanzmitteln umzusetzen. Diese Aufgabe steht in den kommenden Monaten und Jahren vor dem Bewertungsausschuss.

Seit dem 01.01.2020 hat die Terminservicestelle der KV entsprechend dem gesetzlichen Auftrag ihre vollständige Tätigkeit aufgenommen. Über die Rufnummer 116117 ist die Zentrale für Patienten rund um die Uhr erreichbar. Diese Zentrale wird eine wichtige Funktion bei der Steuerung von Patienten übernehmen. Je nach Dringlichkeit und Tageszeit erfolgt die Vermittlung von Terminen in Vertragsarztpraxen, in eine Bereitschaftspraxis, zum Hausbesuchsdienst oder zum Rettungsdienst. Medizinisch qualifiziertes Fachpersonal übernimmt mit Unterstützung eines elektronischen Ersteinschätzungssystems die Beurteilung des jeweiligen Patientenproblems. Zusätzlich wird dem Patienten über ein webbasiertes elektronisches Buchungssystem (www.eterminservice.de) die Möglichkeit eröffnet, in dringlichen Fällen die von Ihnen gemeldeten Termine online zu buchen. Dem Patienten steht zusätzlich die 116117 App zur Verfügung. Hier kann der Patient wählen, ob sein Problem sofort, bald oder demnächst behandelt werden soll und er wird über diese App in die notwendige Versorgung geleitet. Mit Hilfe dieser Möglichkeiten wird sich der Zugang für den Patienten zur Versorgung vereinfachen und die daran  geknüpfte neue Form der Finanzierung ohne Regelleistungsvolumen oder anderen Budegtierungen wird dieses flankieren. Die neuen Möglichkeiten können aber auch Probleme mit sich bringen. Patienten können fast uneingeschränkt und ohne jegliche finanzielle Beteiligung auf die ambulanten Strukturen zugreifen, was unsere schon stark strapazierten Praxen weiter überlasten kann. Insofern wird es darauf ankommen, die Zusammenarbeit zwischen den Haus- und Fachärzten weiter zu optimieren und die Versorgung in der Ebene durchzuführen, die hierfür sinnvollerweise geeignet ist. Darüber müssen wir in den kommenden Monaten in den Kreisstellen und bei den Stammtischen intensiv diskutieren.

Ihr
Burkhard John