Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

Navigation und Suche

Arzt- und Psychotherapeutensuche

Editorial PRO 11/2019

Neue Bedarfsplanung in der Umsetzung

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Sicherstellung der flächendeckenden und wohnortnahen ambulanten medizinischen Versorgung der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt stellt uns vor immer größere Herausforderungen. Die Kassenärztliche Vereinigung hat in den letzten Jahren viele Maßnahmen eingeleitet, um drohende Probleme zu mildern. Von Stipendien über die finanzielle Förderung der Praxisgründung in bestimmten Gebieten bis hin zu Eigeneinrichtungen in Bereichen, wo die Versorgung durch Vertragsärzte nicht möglich war, haben wir eine Vielzahl von Maßnahmen entwickelt.

Auch die Unterstützung von politischer Ebene, sowohl der Landes- wie auch der Bundesregierung, nimmt an Bedeutung zu. So wurde erst kürzlich das Landarztgesetz in Sachsen-Anhalt verabschiedet und damit wieder eine zusätzliche Möglichkeit zur langfristigen Sicherung der hausärztlichen Grundversorgung geschaffen. Der Bundestag hatte vor einigen Jahren den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) damit beauftragt, die Bedarfsplanung zu überarbeiten, um eine bessere Verteilung niedergelassener Ärzte zu bewirken. Die neue Richtlinie zur Bedarfsplanung ist Anfang des Jahres nach vielen Diskussionen im G-BA beschlossen worden und befindet sich nun in der Umsetzung. Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen wird sich in den kommenden Wochen damit beschäftigen und den neuen Bedarfsplan beschließen. Entsprechend der Richtlinie werden in Zukunft das Alter und die Morbidität der zu versorgenden Bevölkerung stärker berücksichtigt. Das führt dazu, dass z. B. noch deutlich mehr Hausärzte in vielen Regionen benötigt werden. Schon heute sind bei uns über 160 Hausarztstellen nicht besetzt – auf der Grundlage der neuen Bedarfsplanung werden es wohl etwa doppelt so viele sein. Die Versorgung wird dadurch leider nicht verbessert, denn diese Ärzte werden auch in naher Zukunft nicht vorhanden sein. Dies zeigt aber auf, welche Mehrbelastung die derzeit tätigen Ärzte leisten müssen, um dieses Defizit zu kompensieren. Auch im fachärztlichen und psychotherapeutischen Bereich wird es Veränderungen geben. Insbesondere die Zahl der Niederlassungsmöglichkeiten für Psychotherapeuten wird nochmals ansteigen, was auch notwendig ist, da die Wartezeiten auf entsprechende Termine weiterhin lang sind. Im Bereich der fachärztlichen Internisten wird es erstmals Minimal- und Maximalquoten für bestimmte Schwerpunkte geben. Ziel dieser Regelung in der Bedarfsplanungsrichtlinie ist es, die Verteilung der verschiedenen Fachinternisten in den Regionen zu verbessern. So ist z. B. vorgesehen, dass mindestens 8 Prozent der fachärztlichen Internisten  Rheumatologen sein sollen und maximal 33 Prozent Kardiologen. Inwieweit durch diese Regelung eine verbesserte Versorgung organisiert werden kann, wird die Zukunft zeigen.

Zwischen der Bedarfsplanung und der Gesamtvergütung gibt es einen engen sachlichen Zusammenhang. Die finanziellen Mittel müssen ausreichen, um die entsprechend der Bedarfsplanung zugelassenen Ärzte angemessen zu vergüten. Wenn nun durch Änderung der Planungsgrundlagen und -regularien zusätzliche Ärzte und Psychotherapeuten tätig werden können, so müssen diese auch zusätzlich finanziert werden. Diese eigentlich logische Konsequenz fordern wir von den Krankenkassen im Rahmen der Verhandlungen zur Vergütung für das Jahr 2020. Da die Gesamtvergütung in Sachsen-Anhalt auch weiterhin nicht mit den notwendigen Finanzmitteln übereinstimmt, die wir entsprechend der Morbidität der zu versorgenden Bevölkerung erhalten müssten, ist eine Anpassung dringend erforderlich.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit

Ihr
Burkhard John