Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 10/2021

Welche Richtung nimmt die Gesundheitspolitik?

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

Deutschland hat gewählt und die Parteien sind in der Findungsphase. Welche Parteien werden die Regierungskoalition bilden? Welche Punkte aus den Wahlprogrammen der Parteien werden sich schließlich im Koalitionsvertrag wiederfinden? Wird die Bürgerversicherung kommen? Wie geht es weiter mit der Akademisierung der medizinischen Fachberufe, mit der Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen? Inwieweit wird sich dadurch die ambulante haus- und fachärztliche Versorgung verändern? Wird sich unsere Forderung nach mehr Studienplätzen und Stärkung der Freiberuflichkeit Eingang im Koalitionsvertrag finden? Sicherlich wird der Weg der weiteren Digitalisierung im Gesundheitswesen fortgesetzt werden. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, in welche Richtung sich das Gesundheitswesen weiter entwickeln wird.

Zum 30. September 2021 sind die Impfzentren im Land geschlossen worden, die Landkreise und kreisfreien Städte halten noch wenige mobile Impfteams zur COVID-Impfung bereit. Damit liegt ab dem 1. Oktober 2021 die Verantwortung für die COVID-Impfungen im ambulanten vertragsärztlichen Bereich. Dieser Verantwortung müssen wir uns stellen und gerecht werden. Dass wir dies können, zeigen die Millionen Impfungen, die wir in den Praxen jedes Jahr durchführen. Nun ist das Impfen wieder dort, wo es hingehört. Die Diskussion, ob andere Leistungserbringer ebenfalls Impfungen durchführen sollen, führt nur zu Konflikten und zerstört das Vertrauensverhältnis unter allen Beteiligten.

Eine erhebliche Erleichterung bringt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO), dass ein gleichzeitiges Impfen gegen Grippe und Corona möglich ist. Denn während die Grippe-Schutzimpfungen gestartet sind, laufen auch die Corona-Schutzimpfungen weiter.

Wer seine Patienten im Herbst und Winter bestmöglich geschützt wissen will, sollte sie gegen Corona und gegen Grippe impfen. In Sachsen-Anhalt gilt dieses Angebot nach wie vor für alle Altersgruppen. In den vergangenen Jahren ist es den ambulant tätigen Ärzten insbesondere bei den über 60-Jährigen gelungen, die Impfquote zu steigern. So haben in der Grippesaison 2020/2021 etwa 63 Prozent der über 60-jährigen gesetzlich Krankenversicherten die Spritze gegen Influenza erhalten – vor fünf Jahren waren es etwa 55 Prozent. Eine Tendenz, die optimistisch stimmt und die es beizubehalten gilt. Damit sind wir im Bundesvergleich weit vorn.

Alles andere als Optimismus macht sich hingegen unter den ambulant Tätigen breit, wenn es um die Digitalisierung im Gesundheitswesen geht. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) erhitzt weiter die Gemüter. Es muss sich zeigen, ob die Umsetzung auf Seiten der Krankenkassen funktioniert. Gerade sie und nur sie sollten die eAU ab Oktober aus den Praxen elektronisch übermittelt bekommen. Dieser Umstand unterstreicht  einmal mehr die Forderung der Vertragsärzte: Die Pflicht zur eAU und zum elektronischen Rezept (eRezept) muss ausgesetzt werden, bis die Technik in den Praxen und den Krankenkassen fehlerfrei funktioniert.

Und nun? Nun sind wir in der Phase der Übergangsregelung für die eAU. Bis zum 31. Dezember 2021. Am 1. Januar 2022 soll dann auch noch das eRezept eingeführt werden. So der Plan. Warten wir es ab – wir sind skeptisch.

Dennoch bitte ich Sie: Wenn Sie die nötigen Voraussetzungen haben, dann starten Sie. Sehen Sie die Übergangszeit auch als Feldtestzeit für Ihre Praxis. Als Zeit, um Probleme zu erkennen und von den Technikern rechtzeitig lösen zu lassen. Im besten Fall klappt bei Ihnen alles. Denken Sie dennoch daran, dass es bei den Krankenkassen hapern kann.

Ihr
Jörg Böhme