Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 9/2020

Warum uns die nächste Zeit besonders fordert

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

ich hoffe, Sie sind alle coronafrei durch die Urlaubszeit gekommen, und der Praxisbetrieb hat sich nun auch wieder weitgehend normalisiert. Das kommende Halbjahr wird uns wahrscheinlich besonders fordern: die normalen Infekte, vielleicht auch mehr oder weniger Grippekranke und zusätzlich noch Erkrankte mit Covid-19. Diese zu differenzieren und ggf. in den Praxisabläufen zu trennen, wird eine besondere Herausforderung. Gesonderte Sprechzeiten für Fieberpatienten oder wenn möglich gesonderte Räume werden Varianten für die Versorgung sein, aber auch die kollegiale Absprache unter den Praxen einer Region, so dass ggf. bestimmte Praxen zu bestimmten Zeiten die Versorgung von Fieberpatienten übernehmen.

Um die Zahl der an Influenza Erkrankten möglichst niedrig zu halten, sollten wir versuchen, möglichst viele Menschen zu impfen. Wir impfen zwar in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands relativ viel, aber wie Sie in dem Bericht auf den Seiten 318/319 in dieser PRO lesen können, gibt es noch viel Luft nach oben. Auch bei Impfung unserer eigenen Mitarbeiter und von uns selbst sollten wir überlegen, ob noch ein Optimierungspotenzial besteht.

Ab 2021 wird eine neue Heilmittelrichtlinie gelten. Diese sollte eigentlich schon ab Oktober dieses Jahres wirksam werden, der Start wird nun aber verschoben, da viele Praxisverwaltungssysteme die neuen Regelungen noch nicht in ihre Programme implementieren konnten. Ziel der Verhandlungen der KBV war es, die komplizierten Regelungen, die bis heute immer wieder zu Nachfragen bzw. Korrekturwünschen der Therapeuten führen, zu vereinfachen. Das ist nicht überall, aber in vielen Bereichen gelungen. So wird es nur noch ein Formular für alle Heilmittel geben. Die Systematik der Erst- und Folgeverordnung entfällt, und es gibt nur noch den auf den Arzt bezogenen Verordnungsfall. Damit ist genau die Verordnung gemeint, die ich auch selbst aufgeschrieben habe. Das ist deutlich einfacher und überschaubarer als zuvor. Für die Frist einer ggf. erforderlichen neuen Verordnung zählt nicht mehr der Tag der letzten Therapie, den wir meistens gar nicht kennen, sondern der Tag der letzten Verordnung. Vieles ist dabei neu geregelt, und neu ist immer erst einmal schwierig. Aber es gibt auch wirklich viele Vereinfachungen, und daher möchte ich Sie bitten, in den kommenden Wochen sich damit intensiv zu beschäftigen. In verschiedenen Medien wie dem Deutschen Ärzteblatt oder auch in der Oktober- PRO werden wir über die Änderungen berichten.

Das Thema Heilmittelverordnung wird sich auch noch weiter verändern. Der G-BA arbeitet an einer Richtlinie zur Blankoverordnung bei bestimmten Indikationen. In diesem Fällen wird der Arzt nur noch die Indikation für ein Heilmittel stellen, und der Therapeut selbst wird die Art und Menge festlegen. Natürlich muss dann auch die wirtschaftliche Verantwortung für die Leistungen auf die Heilmittelerbringer übergehen.

Ihr
Burkhard John