Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 8/2017

Wandel in der Versorgung

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

im August werden im Bewertungsausschuss wieder die Verhandlungen für die Festlegung des Orientierungswertes und der Veränderungsraten für die Gesamtvergütung stattfinden. Mit dem Orientierungswert wird dann der Preis der Leistung im EBM festgelegt, denn die Bewertung in Punkten wird mit diesem Wert multipliziert und so entsteht der Preis. Die notwendige Veränderung des Preises wird zum Großteil vom Institut des Bewertungsausschusses berechnet. Grundlage sind die Änderungen der Kosten in den Arztpraxen, z. B. für die Arzthelferinnen oder für Energie und Miete. Dieser Wert ist die Basis für die Verhandlungen auf der Landesebene. Hier war und ist es unsere Forderung, dass bei der Festlegung des regionalen Wertes die Besonderheiten unserer Patienten mit beachtet werden müssen. Die Behandlung von alten und multimorbiden Menschen ist eben eine andere als die von jungen und relativ gesunden Menschen, die wegen einer Befindlichkeitsstörung zum Arzt kommen. Daher müsste der regional vereinbarte Orientierungswert über dem Bundeswert liegen. Die Krankenkassen in Sachsen-Anhalt sahen das bisher anders und wir werden sehen, wie sich die Kassen in diesem Jahr ihrer Verantwortung für die Versorgung stellen werden. Der zweite Sachverhalt, über den im August im Bewertungsausschuss zu entscheiden ist, betrifft die Veränderung der Alters- und Morbiditätsstruktur der Versicherten in einer Region. Entsprechend dieser Veränderung muss die mit den Krankenkassen vereinbarte Leistungsmenge pro Versicherten angepasst werden. Diese Veränderungsraten, die ebenfalls vom Institut des Bewertungsausschusses berechnet werden, sind dann im Herbst die Grundlage für unsere Verhandlungen mit den Krankenkassen auf der Landesebene.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Probleme in der medizinischen Versorgung werden in Sachsen Anhalt immer größer. Der Mangel an Ärzten, aber auch an medizinischem Personal wird in vielen Bereichen immer deutlicher, nicht nur bei den Hausärzten, sondern nun auch schon in einigen Facharztdisziplinen. Bei zunehmendem Versorgungsbedarf der Bevölkerung werden auf der anderen Seite immer mehr Patientenprobleme im ambulanten Bereich gelöst werden müssen, um die Gesamtfinanzierbarkeit der Krankenversorgung überhaupt noch sicherstellen zu können. Daher müssen nun die Weichen in Richtung einer intensiveren Ambulantisierung gestellt werden. Das ist aus gesundheitsökonomischer Sicht das Gebot der Stunde, zumal das Potential an Krankenhausfällen, die eigentlich ambulant gelöst werden könnten, bei uns in Sachsen-Anhalt besonders hoch ist. Wir haben im niedergelassenen Bereich vielerorts die fachlichen Kompetenzen, diese Aufgaben zu übernehmen, und da wo sie nicht vorhanden sind, müssen sie aufgebaut werden. Das kann ggf. auch zusammen mit z. B. kleineren Krankenhäusern erfolgen, die andere Versorgungsaufgaben übernehmen könnten. Grundvoraussetzung für diese sinnvolle und wichtige Entwicklung ist aber eine ausreichende Finanzierung der vertragsärztlichen Leistungen. Bei einer weiterhin bestehenden Unterfinanzierung von über 18 % können solche Aufgaben nicht noch zusätzlich übernommen werden. Wir werden im Rahmen der Verhandlungen mit den Krankenkassen im Herbst besprechen müssen, wie man sich die Versorgung der Zukunft vorstellt und wie diese finanziert werden soll. Wenn heute nicht die richtigen Signale gesetzt werden, wird man das in Zukunft nicht korrigieren können. Vielleicht haben die Kassen ja in diesem Jahr kreative Ideen!

Ihr
Burkhard John