Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 5/2017

Schnellerer Zugang zur Psychotherapie

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

über viele Jahrzehnte waren die Regularien, nach denen die Psychotherapie in der Bundesrepublik organisiert wurde, unverändert. Dabei ist es schon an sich eine Besonderheit, dass in der Bundesrepublik die Psychotherapie im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten ist. In vielen anderen Ländern Europas und der Welt ist das nicht der Fall, sondern sie muss bei Bedarf von den Patienten selbst übernommen werden. Damit ist Deutschland den anderen Ländern einen deutlichen Schritt voraus, weil, wie wir heute wissen, viele Krankheiten auch psychopathologische Ursachen haben oder diese zumindest eine Komorbidität darstellen. Insofern ist es auch vollkommen richtig und sinnvoll, wenn diese Form der Therapie als Leistung im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten ist.

Die Psychotherapie-Richtlinie, die Psychotherapievereinbarung und die Vergütung der Leistungen wurden nach langer politischer Diskussion und entsprechenden Gesetzesänderungen vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) und dem Erweiterten Bewertungsausschuss im letzten Jahr grundlegend verändert. Auftrag des Gesetzgebers war es, einen schnelleren und relativ unbürokratischen Zugang der Versicherten zur Psychotherapie zu gewährleisten und lange Wartezeiten zu minimieren. Diesen Auftrag hat der GBA in zähen und langwierigen Verhandlungen zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) umgesetzt.

Neu ist, dass die psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten nun auch Sprechstunden anbieten müssen und eine verstärkte telefonische Erreichbarkeit gewährleistet sein muss. In den Sprechstunden soll kurzfristig geklärt werden, ob eine  psychotherapeutische Behandlung notwendig ist und wie akut diese Behandlungsnotwendigkeit ggf. ist. Patienten können sich zu dieser Sprechstunde auch ohne eine Überweisung anmelden und die Terminservicestelle der KV muss Termine hierzu bei Bedarf auch vermitteln. Sollte sich herausstellen, dass eine akute Therapie erforderlich ist, so müssen die Psychotherapeuten in Zukunft auch eine Akuttherapie anbieten. Diese soll zeitnah nach der Feststellung beginnen und kann, aber muss nicht, in einem der bisher bekannten Verfahren der Kurz- oder Langzeittherapie münden.

Die Zeiten der telefonischen Erreichbarkeit müssen der KV gemeldet werden und werden auf der Homepage veröffentlicht.

Für die psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten bedeuten diese Veränderungen häufig eine komplette Neustrukturierung der Praxisorganisation und die ist nur mittelfristig möglich. Es wird also sicher noch einige Zeit dauern, bis diese im Routinebetrieb umgesetzt werden können.

Das Thema Personal, insbesondere Personal für die Anmeldung und die Vorbereitung der Patienten in den Praxen der Psychotherapeuten, wird in diesem Zusammenhang immer bedeutsamer. In der Kalkulation der psychotherapeutischen Leistungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) sind solche Kosten nur sehr marginal aufgenommen worden. Die vor einiger Zeit eingeführten Strukturzuschläge für den Einsatz von Personal können auf Grund der hohen Hürden, die zu erfüllen sind, um diese zu erhalten, kaum zur Wirkung kommen. Die Krankenkassen konnten sich nun im Erweiterten Bewertungsausschuss auch weitgehend durchsetzen, wodurch die Vergütung für die neu etablierten Leistungen der Sprechstunde und Akuttherapie auf einem unzureichend niedrigen Niveau festgelegt wurde. Damit kann man keinen Strukturwandel in der psychotherapeutischen Versorgung bewirken. Die KBV hat deshalb Klage gegen diese Beschlüsse eingelegt und wir müssen nun abwarten, was in den nächsten Jahren die Gerichte hierzu entscheiden. Bis dahin gilt leider der EBM in der beschlossenen Art und Weise.

So wichtig und sinnvoll diese Umstrukturierung der psychotherapeutischen Versorgung auch sein mag, einfach wird es nicht!

Ihr
Burkhard John