Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 4/2018

Lösungen für die ambulante Versorgung – Politik ist jetzt am Zug

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Bundesrepublik hat endlich wieder eine Regierung und für viele etwas überraschend ist Jens Spahn neuer und jüngster Gesundheitsminister geworden. Er ist kein Unbekannter in der Szene und hat durch seine jahrelange Tätigkeit als Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages und gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, aber auch als Vorsitzender des Bundesfachausschusses Gesundheit und Pflege der CDU viel Erfahrung in diesem Bereich gesammelt. In seinem Heimatbundesland Nordrhein Westfalen gibt es ähnliche Probleme im Rahmen der medizinischen Versorgung der Bevölkerung wie in Sachsen-Anhalt. Insbesondere die Versorgung im ländlichen Bereich ist dort genauso kompliziert wie bei uns und auch die unzureichende Finanzierung der ambulanten Versorgung stellt sich in beiden Bereichen ähnlich dar. Wir hoffen daher sehr, dass die Lösung dieser Probleme sehr zeitnah angegangen wird und ein Sofortprogramm, das die Bundeskanzlerin in ihrer ersten Regierungserklärung angekündigt hat, auch Lösungen für unsere Probleme vorsieht.

Die Sicherung der ambulanten Versorgung im ländlichen Bereich wird immer schwieriger. Hier ist ein Maßnahmepaket notwendig, das bei optimierten Zugangsbedingungen zum Studium (Stichwort Landarztquote) beginnt, eine praxisnahe Aus- und Weiterbildung ermöglicht und bis hin zu einer sachgerechten Finanzierung der ambulanten Versorgung reicht. Bei einem weiterhin bestehenden Defizit der Finanzmittel für die ambulante Versorgung von über 16 Prozent kann dauerhaft keine ausreichende Versorgung gewährleistet werden. Die viel diskutierte Telemedizin ist sicher ein sinnvolles Instrument zur Unterstützung der ärztlichen Tätigkeit, kann auch Entlastung bringen und ggf. die Versorgung optimieren. Der Arzt kann aber dadurch nicht ersetzt werden und die ärztliche Heilkunst schon gar nicht. Dazu müssen alle Sinne eingesetzt werden können, nicht nur Sehen und Hören sondern auch Riechen, Tasten, vom Einsatz von Medizintechnik am Patienten erst gar nicht zu reden.

Dennoch wird das Thema Telematik in den Arztpraxen uns in den kommenden Monaten und Jahren weiter intensiv beschäftigen. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen steht auf der Agenda der Politik ganz weit oben. Ein erster Schritt ist nun die Einführung der  Telematik Infrastruktur in den Praxen. Einige Praxen haben die neuen Geräte schon einbauen lassen und sind nun an diese Infrastruktur angeschlossen. Bei vielen hat die Umstellung, wenn alles gut vorbetreitet war, problemlos funktioniert und das Einlesen der Krankenversichertenkarte dauert trotz des nun erfolgenden Versichertenstammdatenabgleichs nicht länger als zuvor. Schwierig stellt sich derzeit die Situation für die Praxen dar, deren  Praxisverwaltungssystem-Hersteller noch keinen vollständigen Gerätekatalog bieten können. Auch ist die Finanzierungssituation ab dem 2. Quartal nicht akzeptabel. Obwohl gesetzlich klar geregelt ist, dass Praxen durch den Anschluss an die Telematik finanziell nicht belastet werden dürfen, sind die Krankenkassen nicht bereit, die Pauschalen entsprechend den bestehenden Preisen anzupassen. Die KBV verhandelt derzeit intensiv mit dem GKV Spitzenverband und ist in Gesprächen mit dem Bundesgesundheitsministerium. Die derzeit erhältlichen vollständigen Angebote liegen etwa 220 Euro über den Kostenerstattungspauschalen des 2. Quartals. Bei dieser Lage gibt es nur zwei Möglichkeiten zu reagieren: Einerseits kann mit der Bestellung abgewartet werden, in der Annahme, dass ein Angleich von  Pauschalen und Preisen erfolgen wird. Oder durch eine Bestellung jetzt, das Risiko einer Unterfinanzierung einzugehen. Die Entscheidung obliegt Ihnen.

Ihr
Burkhard John