Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 3/2017

Notfälle und Fälle im Bereitschaftsdienst

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Behandlung von Notfällen ist derzeit ein wiederkehrendes Thema in den Medien. Aber worüber spricht man da eigentlich? Oftmals wird dabei vieles durcheinandergewürfelt und so entsteht nicht selten ein stark verzerrtes Bild. Echte Notfälle werden in der Regel ausreichend schnell und in guter Qualität vom Rettungsdienst behandelt. Sind dabei notärztliche Leistungen notwendig, stellt die KV Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit vielen Krankenhäusern, Vertragsärzten und weiteren freiberuflich tätigen Ärzten diese zur Verfügung. Das ist wegen des auch an den Krankenhäusern bestehenden Ärztemangels häufig schwierig, gelingt aber flächendeckend an 365 Tagen für 24 Stunden an den Notarztstandorten.

Patienten, die wir im Bereitschaftsdienst versorgen, sind meist keine Notfälle, sondern Patienten, die zu den sprechstundenfreien Zeiten erkranken bzw. bei denen sich der Krankheitszustand akut verschlechtert. Zur Behandlung solcher Patienten haben wir als KV zwei Versorgungsstrukturen aufgebaut – die Bereitschaftspraxen und den Fahrdienst. Die 14 Bereitschaftspraxen befinden sich in der Mehrzahl an Krankenhäusern oder in deren Nähe, wobei die Abstimmung mit dem stationären Bereich unterschiedlich gut funktioniert. Der Fahrdienst ist seit einiger Zeit professionell ausgestattet und über die bundeseinheitliche Rufnummer 116117 erreichbar. Diese beiden Versorgungsstrukturen sind meines Erachtens in der Bevölkerung unzureichend bekannt und Patienten stellen sich mit Bagatellerkrankungen in den Krankenhausambulanzen vor. Krankenhäuser bewerben diese Möglichkeit der Versorgung teilweise und die Wege ins Krankenhaus sind in den meisten Regionen gut bekannt. Statistische Erhebungen zeigen auch, dass eine Vielzahl von stationären Aufnahmen aus Konsultationen in den Notfallambulanzen resultiert. In Deutschland haben wir im Vergleich zu vielen anderen Ländern eine sehr gute Versorgung im ambulanten und stationären Bereich. Patienten können häufig auch nicht einschätzen, welche Ebene des Versorgungssystems für sie richtig ist und welche Dringlichkeit die Behandlung ihrer Beschwerden hat. Das Ergebnis sind manchmal überfüllte Notfallambulanzen in Krankenhäusern, allerdings ist dies regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die Krankenhausambulanzen werden aber auch von Patienten zu normalen Sprechstundenzeiten aufgesucht. Das obwohl der ganz überwiegende Teil der akuten Patientenprobleme taggleich oder zumindest sehr zeitnah in den Praxen der niedergelassenen Ärzte behandelt wird. Das ist unsere Aufgabe und der kommen wir auch nach.

Daher sind aus meiner Sicht zwei Maßnahmen notwendig. Auf der einen Seite muss die Abstimmung zwischen den Klinikambulanzen und unserem Bereitschaftsdienst verbessert werden. Werden von uns Bereitschaftspraxen am Krankenhaus unterhalten, sollten die Patienten im Rahmen einer effektiven Triage den entsprechenden Strukturen zugewiesen werden. Auf der anderen Seite muss die Bevölkerung besser aufgeklärt werden, mit dem Ziel einer sinnvollen Inanspruchnahme der bestehenden Versorgungssysteme. Am besten lässt sich diese Inanspruchnahme in einem strukturierten Versorgungssystem, wie wir es aus den Hausarztprogrammen kennen, umsetzen. Allerdings ist es hierbei zusätzlich notwendig, dass der Patient mit in die Pflicht genommen wird. Durch entsprechende Boni der Krankenkassen für die Versicherten, die sich an die vereinbarten Regularien halten, kann die Akzeptanz verbessert werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine finanzielle Beteiligung der Patienten, insbesondere bei der Inanspruchnahme des Bereitschaftsdienstes, durchaus eine steuernde Funktion ausübt. Ich halte die Einführung einer solchen „Notfallpauschale“ daher für dringend geboten, um die sich abzeichnenden Probleme zu lösen. Die im Rahmen einer Sendung des MDR durchgeführte nichtrepräsentative Umfrage zur Akzeptanz einer solchen Gebühr hat das erstaunliche Ergebnis gebracht, dass eine Mehrheit für die Einführung einer solchen Gebühr wäre. Grund ist sicher die Erkenntnis, dass nur so ausreichend Kapazitäten für die echten Notfälle bereitgestellt werden können und somit allen geholfen wäre.

Ihr
Burkhard John