Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 2/2021

Eindringlicher Appell: Schnellstmöglicher Impfschutz für Vertragsärzte

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

das Impfen gegen das Coronavirus hat wie geplant Ende Dezember 2020 mit dem Einsatz von mobilen Impfteams in den Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung und Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen begonnen. Die ersten Impfzentren haben Mitte Januar ihre Arbeit aufgenommen. Wenn ich mich an die Befürchtungen erinnere, dass ein Impfstoff erst in etwa zwei Jahren verfügbar sein wird, ist dies ein großer Erfolg, auch wenn wir uns alle mehr Impfstoff wünschen.

Über 820 Vertragsärzte, 135 Ruheständler und etwa 30 weitere Ärzte haben sich auf unseren Aufruf in der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet und bereit erklärt, die Landkreise und kreisfreien Städte bei der Durchführung der Impfungen zu unterstützen. Sollten auch Sie Ihre Bereitschaft zum Impfen erklären wollen, dann melden Sie sich bitte unter corona[at]kvsa.de.

Sobald das Vakzin in größeren Mengen verfügbar ist, wird die Priorisierung hoffentlich weniger bedeutend sein. Wir können das Impfen gegen Covid-19 in den Praxen nur bei ausreichender Impfstoffmenge und einem wie gegen Grippe handhabbaren Impfstoff durchführen. Nirgends sonst können so viele Menschen in so kurzer Zeit geimpft werden. Dies ist ein Alltagsgeschäft für die Teams in den Praxen mit einem gut eingespielten organisatorischen Ablauf. So sind in der Saison 2019/2020 in den Praxen der niedergelassenen Haus- und Fachärzte fast 700.000 Patienten gegen das Influenzavirus geimpft worden – wir Niedergelassenen sind auch jetzt dafür bereit.

Umso wichtiger ist es, die Vertragsärzte und ihr Praxispersonal schnellstmöglich gegen Corona zu impfen. Immerhin sind sie es, die im Praxisalltag und in den Fieberambulanzen den unmittelbaren Kontakt auch zu Infizierten haben. Sie versorgen Patienten in Alten- und Pflegeheimen und nehmen am Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst teil. Müssen ambulante Einrichtungen wegen einer Corona-Infektion innerhalb des Praxisteams geschlossen werden, ist dies neben der persönlichen Betroffenheit auch eine enorme Belastung für die flächendeckende wohnortnahe haus- und fachärztliche Versorgung. Das muss nicht sein, wenn ambulant tätige Ärzte und ihr Personal zeitnah geimpft werden. Darauf habe ich in einem Schreiben an Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne eindringlich hingewiesen.

Es ist noch ein langer Weg bis zur altbekannten Normalität. In Zeiten von immer noch hohen  Infektionszahlen und immer neuen Virus-Mutationen muss das Einhalten der AHA+L+C-Regeln weiterhin oberste Priorität haben, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. Für viele Menschen bedeutet das aber auch, den Arzt nicht aufzusuchen. Check-ups werden verschoben. Beschwerden, so lange sie nicht akut sind, hingenommen. Regelmäßige Vorstellungstermine werden als „nicht so wichtig“ abgetan und ausgesetzt. Gerade für ältere und multimorbide Patienten ist das eine nicht ungefährliche Entscheidung. Im Frühjahr 2020 ist ein Abwägen, welcher Arztbesuch dringend notwendig ist, sicherlich sinnvoll gewesen. Längst haben sich die Praxen aber auf die Pandemie eingestellt und organisatorische und räumliche Veränderungen vorgenommen. Dennoch: Die Patienten bleiben vorsichtig.

Der Corona-Schutzschirm hat die Vertragspraxen 2020 aufgefangen, wenn weniger Patienten sie in Anspruch genommen haben. Er ist zum Jahresende ausgelaufen, obwohl die Situation weiterhin durch hohe Ausgaben und geringere Einnahmen angespannt ist. Wie es nun weitergeht, ist noch offen. Deshalb muss der finanzielle Schutzschirm dringend verlängert werden. Dafür machen wir uns als Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt stark und wissen auch um die Anstrengungen von Seiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Politik ist gefordert, den Schutzschirm auch für 2021 zu beschließen, damit die Praxen weiterhin die Versorgung aufrechthalten können.

Mit den ersten Frühlingsvorboten wird sich hoffentlich auch die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen.

Ihr
Jörg Böhme