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Editorial PRO 12/2017

Versorgungsstrukturen im Bereitschafts- und Notdienst sinnvoll weiterentwickeln

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Weihnachtszeit steht vor der Tür und damit hoffentlich auch ein paar entspannte Tage. Bei der großen Belastung in unseren Praxen haben Sie sich das auch verdient. Meist sind die Tage vor dem Jahreswechsel nochmal etwas hektisch, weil alle meinen, noch in diesem Jahr bestimmte Dinge erledigen zu müssen. Dabei kann es schnell passieren, dass man vergisst, die Vertretung für die Praxis zu organisieren, wenn man einige Tage Urlaub nimmt. Leider häufen sich in den letzten Jahren die Beschwerden von Patienten, dass sie zu den typischen Urlaubszeiten, wie z. B. zwischen Weihnachten und Neujahr, keinen Arzt finden. Da soll es tatsächlich vorkommen, dass die Praxis A die Praxis B als Vertretung angibt und die Praxis B die Praxis C und diese wieder die Praxis A. In solchen Situationen kann man sich vorstellen, dass Patienten verärgert sind und sicher auch die Praxis D oder die Notaufnahme des Krankenhauses, die zwar keine Vertretung haben, aber bei denen sich dann möglicherweise viele Patienten melden. Das muss alles nicht sein, wenn jeder Kollege seiner Verpflichtung nachkommt, sich um eine entsprechende Vertretung bemüht und mit dieser Praxis auch die notwendigen Absprachen trifft. Hier finden Sie die entsprechenden Regularien der vertragsärztlichen Tätigkeit nochmals beschrieben.

Die Versorgung von Patienten mit akuten Gesundheitsstörungen außerhalb der Sprechstundenzeiten ist ein Thema, welches in den letzten Monaten in der Presse intensiv diskutiert und inzwischen von allen politischen Parteien aufgegriffen wurde. Wir können davon ausgehen, dass jede zukünftige Bundesregierung dieses Thema gesetzgeberisch auf die Tagesordnung setzen wird. Die Diskussion wurde durch Berichte aus Krankenhausambulanzen befeuert, die vollkommen überlastet seien und der Situation nicht mehr Herr würden. Objektive Zahlen zeigen, dass die Belastung durch ambulante Patienten sehr unterschiedlich in den einzelnen Häusern ausgeprägt ist. In wenigen Krankenhausnotfallambulanzen fallen tatsächlich sehr hohe Patientenzahlen an, allerdings werden im Durchschnitt über alle Krankenhäuser ein bis zwei Patienten pro Stunde in den Abend- und Nachtstunden behandelt. Dennoch müssen wir damit rechnen, dass der Gedanke der sogenannten Portalpraxen an Kliniken von der Politik aufgenommen wird. Hiermit sind Anlaufstellen an Krankenhäusern gemeint, in denen sowohl der Bereitschaftsdienst der Vertragsärzte wie auch die Notfallambulanz des Krankenhauses ansässig sind. Über eine zentrale Annahme soll die Zuweisung der Patienten in die eine oder in die andere Richtung erfolgen. Wir haben in einigen Bereichen auch jetzt schon ähnliche Strukturen im Rahmen der letzten Bereitschaftsdienstreform etabliert. Diese könnte man ggf weiterentwickeln und optimieren. Aus unserer Sicht wäre es aber nicht zweckmäßig, diese an jedem Krankenhaus aufzubauen. Allein dort, wo auch regelhaft ein entsprechender Bedarf zu erwarten ist, machen diese Strukturen Sinn. Es wird notwendig sein, dass diese zentralen Annahmen von qualifizierten Mitarbeitern besetzt werden, die möglichst kein Arbeitsverhältnis mit dem Krankenhaus haben, um eine allein indikationsbezogene Zuordnung der Patienten zu den Versorgungsebenen zu ermöglichen.

Wir werden uns im kommenden Jahr intensiv mit diesem Themenbereich beschäftigen müssen. Dabei wollen wir nicht das auch mit der letzten Bereitschaftsdienstreform 2014 erreichte Ziel der Verringerung der Dienstbelastung aus den Augen verlieren. Die in vielen Bereichen mit der Verbesserung des Bereitschaftsdienstes einhergehende Reduzierung der Dienstbelastung hat die Attraktivität der Tätigkeit als Vertragsarzt gestärkt und diesen Vorteil müssen wir erhalten. Nur so werden wir auch dem drohenden Ärztemangel entgegentreten können. Die Einrichtung von ein oder zwei Modellregionen mit dem Ziel, den Aufbau und die Funktionsweise solcher Portalpraxen zu erproben, dürfte sich anbieten. Nach einer Testphase könnten dann gezielt an bestimmten notwendigen Standorten solche Modelle ebenfalls etabliert werden.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit und möchte Sie nochmals bitten, die Organisation von Praxisvertretungen nicht zu vergessen.

Ihr
Burkhard John