Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 10/2017

Strukturwandel erfordert verantwortungsvolles Handeln

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Verhandlungen der KBV mit dem GKV-Spitzenverband über die Weiterentwicklung der finanziellen Mittel der ambulanten Versorgung für das Jahr 2018 sind abgeschlossen. Die Krankenkassen hatten für die Erhöhung der Preise im EBM eine Null-Runde angeboten die Forderung der KBV lag bei 2,4 %. Bei dieser Ausgangssituation hatte sich schon gezeigt, welchen Stellenwert die ambulante Versorgung für den Spitzenverband der Krankenkassen hat. Offensichtlich ist den Krankenkassen eine Stabilisierung der vertragsärztlichen Praxen oder gar eine Erweiterung der ambulanten Versorgungsmöglichkeiten vollkommen unwichtig. Das haben auch Dr. Andreas Gassen und Dr. Stefan Hofmeister im Rahmen ihrer Reden bei der letzten KBV-Vertreterversammlung sehr deutlich betont. Kassen und KBV konnten sich auf der Bundesebene nicht einigen, so dass der erweiterte Bewertungsausschuss angerufen werden musste. Unter Vorsitz von Prof. Wasem wurde hier entschieden, die EBM-Preise um 1,18 % zu erhöhen. Damit werden nicht einmal die Kostensteigerungen in den Arztpraxen gedeckt. Die Festlegungen des Bewertungsausschusses zu den Veränderungen des notwendigen Behandlungsbedarfes, die auf der Landesebene im Detail noch zu verhandeln sind, sind in diesem Jahr auch eher gering, wobei sich auch weiterhin zeigt, dass die Morbiditätsverdichtung in Sachsen-Anhalt deutlich stärker ist als im Bundesdurchschnitt.

Der Spitzenverband der Krankenkassen ist eine Organisation, deren Aufgabe es ist, die Interessen der Krankenkassen zu vertreten und – so der Eindruck – jegliche Ausgabenzuwächse zu vermeiden. Verantwortung für die Versorgung in den Regionen ist nicht vorhanden, die Sicherung der Patientenversorgung spielt somit offensichtlich eine untergeordnete Rolle. Es wird sich beim GKV-Spitzenverband auch kein Versicherter beschweren, da dort keine Bürger versichert sind. Wenn es Probleme mit der Versorgung gibt, melden die sich eher bei ihren Krankenkassen. Darum hoffe ich sehr, dass sich die regionalen Krankenkassen ihrer Verantwortung im Rahmen einer stabilen und guten Versorgung bewusst sind. Auch hier gibt es Unterschiede – für die bundesweit agierenden Kassen steht Sachsen Anhalt nicht so im Fokus wie für die regional agierenden Kassen. Bei den demnächst beginnenden Verhandlungen über die Weiterentwicklung der Finanzmittel in Sachsen Anhalt wird sich zeigen, wer dieser Verantwortung gerecht wird. Es gibt viele Möglichkeiten die ambulante Versorgung zu stärken. So könnten viele Patientenprobleme, wenn entsprechende Finanzmittel in der ambulanten Versorgung vorhanden wären, auch in diesem Bereich gelöst werden.

Es wird in den kommenden Jahren nicht einfach, die Versorgung der zunehmenden älteren Menschen in Sachsen-Anhalt auf dem Niveau zu halten, wie wir es derzeit erreicht haben. Daher müssen die Weichen für die notwendigen Strukturen jetzt gestellt werden Der kostengünstige und hocheffiziente ambulante Sektor muss daher gefördert werden. Die Steuerung der Inanspruchnahme, der Erhalt einer stabilen hausärztlichen Versorgung und der weitere Aufbau ambulanter fachärztlicher Strukturen werden immer bedeutsamer.

Hoffen wir auf konstruktive und lösungsorientierte Gespräche mit den regionalen Krankenkassen!

Ihr
Burkhard John