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Erstes Treffen als Beginn intensiverer Kontakte

11.01.2007

Zu einem ersten Treffen mit Vertretern der Selbsthilfe aus Magdeburg und Halle hatte die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt für den 1 November 2006 eingeladen. Der geschäftsführende Vorstand der KV, Mathias Tronnier, begrüßte zehn Vertreter von acht Selbsthilfegruppen sowie die beiden Leiterinnen der Kontakt- und Beratungsstellen für die Selbsthilfe, Christel Leidt aus Magdeburg und Meik Voigt aus Halle zur ersten Runde des gemeinsamen Austausches und betonte, dass aus dieser Initiative ein intensiverer, regelmäßiger Kontakt erwachsen möge.

 

Dass eine gute Zusammenarbeit von Selbsthilfegruppen mit Ärzten aller Fachrichtungen für beide Seiten Gewinn bringt, konnte Professor Dr. Wolfgang Slesina, Leiter der Sektion Medizinische Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle, mit seinem Vortrag über die Studie "Kooperation von Ärzten und Selbsthilfegruppen" belegen. Innerhalb der Studie wurden niedergelassene Ärzte und in der Selbsthilfe engagierte Bürger zur gegenwärtigen Situation sowie zu bestehenden Problemen und Wünschen und Erwartungen auf beiden Seiten befragt.

 

Ziele der Studie waren

  • den Stand der Kontakte und der Zusammenarbeit von Ärzten und Selbsthilfegruppen in zwei Regionen zu beschreiben
  • die Erfahrungen mit den Kontakten sowie Probleme und Wünsche der Kooperation zu erfassen
  • Beispiele gelungener Kooperation exemplarisch darzustellen sowie
  • die Entwicklung der Kontakte im Zeitraum von 1989 bis 2003 zu beschreiben.

Die Ergebnisse der Befragung mündeten in praktischen Hinweisen, was Ärzte und  Selbsthilfegruppen tun können, um Kontakte herzustellen, zu pflegen und auf beiden Seiten aus dieser Zusammenarbeit Nutzen zu ziehen.

Was können Ärzte tun?

  • bei der örtlichen Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen eine Aufstellung der in der Region vertretenen Selbsthilfegruppen anfordern
  • Patienten mit chronischer Erkrankung auf Gruppen im Umfeld oder ggf. auf eine einschlägige überregionale Gruppe hinweisen
  • Interesse an Gruppen bekunden: Patienten mit chronischer Erkrankung fragen, ob sie bereits Mitglied einer Gruppe sind, und dies in der Patientenakte dokumentieren
  • Informationsmaterial von Gruppen in der Praxis auslegen bzw. wahrnehmbar machen
  • bei der örtlichen Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen und / oder Institutionen der ärztlichen Selbstverwaltung die  Bereitschaft zur Kooperation mit Selbsthilfegruppen signalisieren
  • mit einer Gruppe eine Ansprechpartnerschaft vereinbaren
  • wenn gewünscht, einer Gruppe bei der Referentengewinnung für einen Vortragsabend behilflich sein
  • Bereitschaft zur aktiven Teilnahme an einem Gruppenabend (als Vortragender, Gesprächspartner) signalisieren
  • gegenüber der einzelnen Gruppe, der örtlichen Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen und/oder Institutionen der  ärztlichen Selbstverwaltung Bereitschaft zur Mitwirkung an einer öffentlichen Veranstaltung mit Selbsthilfegruppen  bekunden.

Was können Selbsthilfegruppen tun?

  • ein Informationsschreiben über die Selbsthilfegruppe, ihre Ziele und Arbeitsweise erstellen
  • bei Arzt-Patientenkontakten den Arzt über die eigene Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe informieren
  • Fachärzte bzw. Ärzte der Gegend, die für die Erkrankung/Behinderung relevant sind, über die Selbsthilfegruppe  informieren
  • Treffen mit Ärzten in der Gruppe vorbereiten und Unterlagen auf die sich die Gruppe bei dem Treffen mit einem Arzt beziehen will, rechtzeitig vorab an den Arzt senden
  • klare Absprachen mit Ärzten treffen über die gewünschten Kontakte
  • Ärzten auch Verständnis für ihre beruflichen Anforderungen und  den ärztlichen Einsatz anerkennen.

Auf dieser Diskussionsgrundlage entspann sich zwischen der gastgebenden KV und den Vertretern der Selbsthilfe ein angeregter Austausch darüber, wie diese Vorstellungen und Wünsche beider Seiten Schritt für Schritt t realisiert werden können. Tronnier regte an, über zweimalige Treffen im Jahr zu einer kontinuierlichen Zusammenarbeit zu kommen. Darüber hinaus könnte den Ärzten das Anliegen der Selbsthilfe durch die Kreisstellensprecher näher gebracht werden. Das Angebot, die Zeitschrift für die Ärzte des Landes, PRO, als Plattform für die Bekanntgabe von Initiativen der Selbsthilfegruppen oder bestimmten Terminen, werde, so Tronnier, bereits seit längerem genutzt. Dies könne u.a. um die Möglichkeit kurzer Darstellungen sowohl im Patienten- als auch im ärztlichen Bereich des Internetauftritts der KV erweitert werden.

 

Die Teilnehmer bestätigten, dass jeder kleine Schritt wichtig und hilfreich sei, um Berührungsprobleme auf beiden Seiten abzubauen und zu einer Partnerschaft auf Augenhöhe zu kommen. Dieser Aspekt war allen besonders wichtig. Die beiden Leiterinnen der Kontaktstellen, in Magdeburg unter der Trägerschaft der Caritas und in Halle angesiedelt beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, bekräftigten in der Diskussion, dass es sinnvoll sei, als ersten Schritt den Ärzten diese Kontaktstellen bekannter zu machen, da sie die Plattform für sehr viele Selbsthilfegruppen sind. Das Magdeburger Projektteam "Selbsthilfe im Gesundheitswesen" (siehe PRO 8, S. 256) unter der Leitung von Lothar Ludwig ergänzte, dass  es seine  Initiative als einen weiteren Weg sehe, die Arbeit der Selbsthilfe zu intensivieren und auf eine breite partnerschaftliche Basis zu stellen.

 

Slesina betonte, die Studie der MLU habe vor allem deutlich gemacht, dass es ständiger Aktivitäten und vieler kleiner Schritte bedarf, Ansätze von Gemeinsamkeit zu fördern und Informationen jederzeit vielen Ärzten zugänglich zu machen. Dies fördere Lerneffekte und diese wiederum könnten das gesamte Anliegen in die Breite tragen.

 

Der geschäftsführende Vorstand dankte für die vielfältigen Anregungen. Ein nächstes Treffen  wurde für das Frühjahr 2007 vereinbart.  

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